Um 1890

Um 1926

Von K. Gossing, 1938

1996


2012


Zur Geschichte der Buchhandlung


Die Buchhandlung des Waisenhauses, in unmittelbarer Nähe der Franckeschen Stiftungen gelegen und einst eine der erwerbenden Anstalten des von dem Theologen August Hermann Francke (1663–1727) 1694 gegründeten Waisenhauses, zählt heute zu den ältesten ohne Unterbrechung bestehenden deutschen Sortimentsbuchhandlungen.

Nachdem Heinrich Julius Elers (1667–1728), ein enger Mitarbeiter Franckes, bereits auf der Leipziger Ostermesse 1698 August Hermann Franckes berühmte Predigt „Von der Pflicht gegen die Armen“ mit großem Erfolg verkauft hatte und damit die unter seiner Leitung im Aufbau befindliche Verlagsbuchhandlung weithin bekannt geworden war, gewährte das 1702 erneuerte „Chur-Fürstliche Privilegium über das Wayßen-Hauß zu Glaucha an Halle“ vom 19. September 1698 dem Stifter ausdrücklich, dass sein Waisenhaus „einen Buchladen, Druckerey und Buchbinder ... halten mag“. Der Buchladen befand sich zunächst in einer kleinen Kammer des Glauchaer Pfarrhauses, ehe er im Jahr 1700 die für ihn bestimmten Räume auf der Beletage im Waisenhaus-Neubau beziehen konnte. Während der Verlagsbereich bis zu seiner Auflösung 1945 an dieser Stelle arbeitete, erhielt die Sortimentsbuchhandlung 1925 ein neues Domizil im Eckhaus Franckeplatz 5/Steinweg. Francke hatte dieses Gebäude, zu seiner Zeit das übel beleumdete Wirtshaus „Zum Raubschiff“, dann „Zum Glücksschiff“, 1706 für die Einrichtung eines Frauenzimmerstifts gekauft. Zu Beginn der 1930er Jahre übernahm der Buchhändler Hermann Niemeyer, Inhaber des Max Niemeyer Verlages und der Lippertschen Buchhandlung, das Geschäft. Seit 1953 dem damaligen Volksbuchhandel angegliedert, konnte bei dessen Liquidation 1991 dank der Unterstützung des damaligen Vorstandes des Freundeskreises der Franckeschen Stiftungen ein Erlöschen der Firma abgewendet werden. Sie gehört sie seitdem der Lippertschen Buchhandlung & Hallesches Antiquariat GmbH.

Seit der Wiedereröffnung der Buchhandlung nach der dreieinviertel Jahre währenden denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes im März 2012 findet der Besucher nicht nur ein allgemeines Sortiment mit Belletristik, Kinderbüchern, Regionalliteratur, Sachbüchern und ausgewählter pädagogischer Literatur, sondern auch eine Auswahl aus den reichen Beständen des Halleschen Antiquariats der Lippertschen Buchhandlung, in denen der Interessent im Internet unter www.hallesches-antiquariat.de stöbern kann.